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Nürnberger Laienforum für Psychoanalyse e.V.
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Fenster zur Seele: Zur Arbeit mit inneren Bildern / ImaginationenKurzüberblickArmin Pfau, Dipl.Psych., Prof.i.R.Wir haben als Kinder alle in einer Bilderwelt gelebt, gefühlsbetonter, auch innere Bilder als sehr evident und wirklich erlebt. Die Notwendigkeit zwischenmenschlicher Verständigung und distanzierter Beobachtung der Mitwelt durch Wortsprache förderte die Lösung von inneren Bildern. Stellen Sie sich mit geschlossenen Augen eine Blume vor! Sie wissen, spüren, was Sie wahrnehmen. Im Gegensatz zu Wahrnehmung unserer Außenwelt, die wir im wesentlichen bewußt fast immer klar und deutlich wahrnehmen, wirken innere Bilder aber oft eher schemenhaft. Wir erleben sie meist sehr gefühlsnah in Träumen. Sie können aber auch durch bewußte Vorstellungen (Visualisierungen) und/oder durch äußere Anreize hervorgerufen werden, etwa durch Geschichten bei Fantasiereisen ("geführten Imaginationen"), können - soweit wir das zulassen - sich aber auch aus der Tiefe des Unbewußten her konfigurieren, Kontakt mit unserem Unbewußten ermöglichen. Dies geschieht meist passiv im Traum, auch wenn wir uns handelnd erleben. Kontakt kann aber auch durch entsprechende Bereitschaft im entspannten Wachzustand geschehen. Hier können wir aktiv sein.
Verschiedene Therapiemodelle nützen diesen Zugang zum Unbewußten. Eher bewußt kontrollierte Arbeit mit inneren Bildern finden wir bei der Visualisierung nach Simonton in der Arbeit mit psychosomatisch Kranken, bei verschiedenen Formen mentalen Trainings, im Kontext kognitiver Verhaltenstherapie, etwa nach Lazarus, bei Methoden im Kontext von NLP usw. Auch empirische Studien zeigen, daß z. B. die Arbeit mit Visualisierungen sehr hilfreich bei Gesundheitsproblemen vor allem im körperlichen Bereich sein kann. In psychischer Hinsicht kann vor allem die vertiefte Annäherung an unbewußte Kräfte und Probleme (Verdrängungen) helfen. Durch authentische Imaginationen und das rechte Verständnis der Symbolsprache, in der sich unsere Innenwelt ausdrückt, wird eine gezielte Begegnung mit dem Unbewußten möglich. Die Fenster zur Seele und sogar die Türen öffnen sich, wenn wir angemessen Kontakt suchen. Wege zum Unbewußten suchten vor allem S. Freud und C.G. Jung. Im Anschluß an V. Frankl versuchte in den letzten Jahren U. Böschemeyer über das psychisch Unbewußte hinaus auch der geistig-spirituellen Dimension des Menschen Rechnung zu tragen.
Aktive ImaginationCarl Gustav Jung ließ sich 1913 als erster Analytiker "in das Unbewußte fallen". Jung hat diesen Ansatz allerdings nicht systematisiert, aber in seiner Analytische Psychologie vielfältig genutzt. Bei "aktiven Imaginationen" kann der Mensch anders als in Träumen entscheiden, in die erlebten märchenhafte Abläufe der inneren Welt eingreifen, um Konflikte zu lösen und innere Ordnung zu fördern. In der Praxis wird den Bildern aus dem Unbewußten dabei oft sehr viel Raum gelassen. Es gibt eher wenig Vorgaben von außen. Katathym-Imaginative Psychotherapie (KIP)(früher: Katathymes Bilderleben) Die KIP gründet sich auf Freuds Psychoanalyse. Hanscarl Leuner kommt das Verdienst zu, die spärlichen Ansätze Freuds, die Versuche von J.H.Schultz und anderer Autoren aufgenommen, ausgebaut und als "Tagtraumtechnik" systematisiert zu haben. Er entwickelte einen organisatorischen Rahmen (20 Minuten für die Imagination bei relativer Zurückhaltung der therapeutischen Begleitperson, obligatorische Nacharbeit durch Zeichnen und Malen usw.), eine sehr qualifizierte Ausbildung für Therapeuten usw. Er fand eine Folge von Motiven, die es als Anreiz für innere Bilder im Sinne eines psychoanalytisch begründeten Grundkonzeptes zu bearbeiten galt (heute allerdings schon um einiges erweitert): In der Grundstufe, zunächst dem Vertrautwerden und regressiver
Entspannung und Stärkung dienend, sind dies In der Mittelstufe geht es dann schon um Konfrontation und Auseinandersetzung mit Triebstrukturen und Konflikten. Störungen, neurotische Lösungen usw. werden klarer, angstauslösende, affektiv negativ besetzte Inhalte können wieder erlebt, durchlebt und neue Lebenswege kreativ gefunden werden. Motive: Beziehungsperson, Rosenbusch, Auto, Löwe, Ich-Ideal u.a. Dies geschieht dann vertieft vor allem in der Oberstufe mit den Motiven: Höhle, Sumpfloch, Vulkan u.a., die deutlich stärker den Zugang zu noch tieferen, auch archaischen Strukturen und Kräften ermöglichen können.
Wertorientierte ImaginationUwe Böschemeyer geht bei seinem Konzept Wertorientierter Imaginationen davon aus, daß der Mensch nach V. Frankl nicht nur vom psychisch Unbewußten her agiert. Auch das geistig-spirituelle Potential des Menschen, die potentielle innere Freiheit des Menschen, seine Verantwortlichkeit und sein Bestreben nach sinnvollem Handeln wurzeln zutiefst im Unbewußten. Von daher ist Ziel Wertorientierter Imaginationen vor allem Lebensbejahung, eine Freilegung von inneren Kräften bis hin zur Erfahrung existentieller Wertgefühle, was meist nur unter Bearbeitung hinderlicher, entwicklungsbeeinträchtigender innerer Strukturen möglich ist. Aus intensiven Gesprächen heraus werden Themen gefunden, die dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechen, Ziele für innere Wanderungen z.B. "zum Ort der verborgenen Fähigkeiten" oder "zum Grund der Angst" oder - wie schon von C.G.Jung angestrebt - zur Personifizierung hilfreicher innerer Kräfte/Persönlichkeitsanteile ("zum inneren Verbündeten", "zum inneren Arzt" usw.). Auch Träume können sehr gut per Imagination weiterbearbeitet werden. Die imaginative Arbeit erfolgt einzeln, für sich allein oder im Gruppenkontext. Zum Einstieg oder bei stärkeren psychischen oder psychosomatischen Problemen ist eine Begleitung durch fachlich qualifizierte Therapeuten mit viel Selbsterfahrung nötig.
Literatur:
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