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„Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“.
Zur Psychoanalyse des christlichen Antisemitismus
Veranstaltung mit Dr.phil. Wolfgang Hegener
Nürnberger Laienforum für Psychoanalyse e.V.
in Zusammenarbeit mit dem „Forum für jüdische Geschichte und Kultur“ in
Nürnberg
am Sonntag, den 4. Dezember 2005 um 12:00 Uhr
Bei der Vorbereitung des
Vortrages fiel mir recht bald eine Begebenheit aus den Anfangsmonaten
dieses Jahres ein. Ich fuhr in der Mittagszeit mit dem Auto durch Berlin
und hörte Radio. Die Radiosprecherin kündigte um 12h mittags an, und ihre
Bewegtheit war ihr anzuhören, man werde jetzt für eine Minute das Programm
zum Gedenken an die über 300.000 Toten der Tsunami-Katastrophe in
Südostasien unterbrechen. Auch ich war erschüttert, parkte meinen Wagen am
Straßenrand, um meinen Gefühlen besser nachgehen zu können, und versuchte
mir diese ungeheure Zahl und das Leid dahinter vorzustellen – es gelang
mir nicht. Ich war zugleich überrascht und erfreut über die
Einfühlungsbereitschaft und die spontane Hilfs- und Spendenwilligkeit
unseres Landes für die stark traumatisierten Menschen. Plötzlich kam mir
ein Gedanke, der mich ganz aus der Fassung brachte. Als ich über die Zahl
300.000 Opfer nachdachte, fiel mir eine andere Zahl ein: 6.000.000
ermordete europäische Juden. Das sind rein rechnerisch 20mal so viele
Tote, und es war keine Naturkatastrophe in einem fernen Land, sondern ein
in Deutschland systematisch geplanter und durchgeführter Massen- und
Völkermord. Wurde in Deutschland öffentlich für all diese Menschen jemals
auch nur eine Trauer- oder Gedenkminute abgehalten? Soweit ich weiß
niemals – ganz im Gegensatz zu Israel, wo dies jedes Jahr geschieht. Was
immer man auch von ritualisierten Formen der Trauer halten mag, es
scheint, als wäre die Trauer über die ermordeten Juden und um das, was
auch wir damit verloren haben, kollektiv in Deutschland noch immer
nicht oder nur sehr beschränkt möglich. Die abgewehrte Trauer sucht sich
dann Ersatzobjekte, sie wird, um einen psychoanalytischen Ausdruck zu
bemühen, verschoben, etwa auf die Opfer einer Naturkatastrophe;
hier glauben wir, so wäre meine These, die allerdings nicht dieses
Phänomen vollständig erklären will, unsere unbewussten Schuldgefühle
loswerden bzw. wiedergutmachen zu können. Eine wesentliche Voraussetzung
für wirkliche Trauer ist, dass verfolgende bzw. persekutorische
Schuldgefühle verarbeitet werden und sich in depressive Schuld verwandeln.
Was ist damit gemeint?
Um diese Aussage für unseren
Zusammenhang plausibel machen zu können, benötige ich einen kleinen Umweg.
Antisemitismusforscher, wie etwa Wolfgang Benz oder Detlef Claussen, sprechen
von einer besonderen, das Nachkriegsdeutschland prägenden Form des
Antisemitismus, den sog. sekundären Antisemitismus. Benz beschreibt ihn
wie folgt: „Er ist eine eigenständige Erscheinung mit wenig manifester
Ausprägung, aber erheblicher Latenz. Dieses (…) Phänomen der Judenfeindschaft
speist sich aus Gefühlen der Scham und Schuldabwehr: Nicht trotz, sondern wegen
Auschwitz werden Ressentiments gegen Juden mobilisiert, die sich an
Entschädigungsleistungen und Wiedergutmachungszahlungen kristallisieren“ (ebd.,
S. 19). Auch von psychoanalytischer Seite wurde dieses Phänomen mehrfach
beschrieben, wir können dann, um die dynamischen Zusammenhänge stärker zu
betonen, von einem „Schuldabwehr-Antisemitimus“ sprechen, dem es vor allem darum
zu tun ist, die historische Täter-Opfer-Relation umzukehren, also die Deutschen
zu dem eigentlichen Opfer der Geschichte zu erklären. Ausgehend von einer
Analyse des Theaterstücks Der Müll, die Stadt und der Tod von Rainer
Werner Fassbinder und der heftigen Debatte darum begreift etwa Rolf Vogt (1995)
diesen Mechanismus mit Devereux als den Kern der „ethnischen Störung“ der
Nachkriegsdeutschen. Anhand weiterer Debatten und Skandale – Bittburg (1985),
Historikerstreit (1986) und Jenninger-Rede (1988) – zeigt er uns nachvollziehbar
auf, wie in der zweiten (und auch dritten) nichtjüdischen Generation „entlehnte
Schuldgefühle“ (Freud) wirksam sind, die vornehmlich durch den Mechanismus der
Täter-Opfer-Inversion abgewehrt werden. „Die zitierten Beispiele von
Schuldabwehr“, so fasst Vogt seine Analyse zusammen, „haben das Ziel, die auf
Deutschland lastende historische Schuld
abzuwehren und damit auch das einzelne Mitglied der Nation freizusprechen, das
über den Identifizierungsprozeß diese Schuld als ‚entlehntes Schuldgefühl’ zu
seiner eigenen gemacht hat“ (ebd., S. 366).
Die von Vogt erwähnten Beispiele
lassen sich ohne Schwierigkeit bis in die Gegenwart hinein verlängern, wenn wir
etwa an die Walser-Bubis-Debatte Ende der 90er Jahres, den Aufruhr, den das Buch
Hitlers willige Vollstrecker von Goldhagen erregt hat, oder, aktueller
noch, an die letzten antisemitischen Skandale um Karsli
und Möllemann einerseits und Hohmann andererseits denken: Möllemann
behauptete, die Juden seien für den Antisemitismus selber verantwortlich, und
der CDU-Politiker erklärte in verbrämter Form alle Juden zu einem „Tätervolk“.
Immer wieder stoßen wir auf das beschriebene Grundmuster: Viele Deutsche können
es nicht oder nur eine Weile ertragen, sich selber in der Täter- und „die Juden“
in der Opfer-Rolle zu erleben. Es vergeht kaum eine Diskussion über
Antisemitismus und den Holocaust, in der nicht schließlich der Hinweis fällt,
dass „die Juden“ nicht viel besser seien, das zeige ja die israelische
Besatzungspolitik. Über ihre pauschale Identifikation mit der israelischen
Politik sollen „die Juden“ aus der Opferrolle heraus und in die Täterrolle
hinein gebracht werden. Das Ziel ist immer, dadurch die Schuld der Deutschen
mindestens zu relativieren, wenn nicht gar aufzuheben (auch die zahlreich
kursierenden Holocaust-Vergleich dienen demselben Zweck: der Einschränkung der
historischen Schuld am Völkermord an den europäischen Juden).
Vielleicht wird Ihnen jetzt
deutlicher, was ich damit meine, wenn ich sage, die Voraussetzung für Trauer sei
die Verwandlung von persekutorischer, also verfolgender in depressive Schuld.
Wenn Schuld, und ich meine hier sowohl reale Schuld als auch von den Eltern oder
Großeltern „entlehnte Schuldgefühle“, nicht anerkannt werden kann, wird sie, das
ist zumindest eine Möglichkeit, auf einen Menschen oder eine Gruppe von Menschen
projiziert, und diese Menschen werden sodann mit dieser Schuld identifiziert.
Dann heißt es etwa: „Die Juden sind an allem Schuld!“ „Die Juden sind unser
Unglück!“. Die so projizierte Schuld kehrt sodann von außen wieder als Gefühl
der Verfolgung; wir fühlen uns zu unrecht angeklagt und bezichtigt. Ein
israelischer Psychoanalytiker hat es einmal so gesagt: Die Deutschen werden den
Juden niemals verzeihen, dass es Auschwitz gegeben hat. Zu persekutorischer
Schuld gehört auch eine gewissermaßen manische Form der Wiedergutmachung,
die eher ein Ungeschehenmachenwollen ist. Eigentlich soll damit die Schuld
getilgt werden und der psychische Zustand vor der mörderischen Tat oder Absicht,
also die volle „Unschuld“ wiederhergestellt werden. Dagegen steht die depressive
Schuld, bei der echte Reue empfunden wird über die tatsächlichen und
phantasierten Taten. Der verfolgte andere wird nun auch nicht mehr als ein, so
die psychoanalytische Terminologie, verfolgendes „böses“, sondern als ein
verfolgtes „gutes Objekt“ erlebt. Auch die Wiedergutmachung findet jetzt eine
Grenze. Bestimmte Dinge sind nicht rückgängig zu machen, sie sind definitiv
geschehen und müssen in einem äußerst schmerzhaften Prozess anerkannt und
betrauert werden. Es muss vor allem anerkannt werden, dass unsere Liebe und
Verantwortung nicht groß genug waren, das Objekt zu schützen, dass wir es also
aus eigener Schuld heraus verloren haben.
Es gehört zum allgemeinen
Grundbestand der antisemitischen Pathologie, dass die eigene Schuld nicht
anerkannt werden kann und zum Teil exzessiv projiziert werden muss. Doch warum
treffen diese Projektionen ausgerechnet in so gewalttätiger Form und historisch
überdauernd die Juden? Damit nähere ich mich langsam meinem angekündigten Thema
an, dem christlichen Antisemitismus. Ich gehe nämlich davon aus, dass die
abendländische Kultur des Antisemitismus in der Hauptsache in der Anfangszeit
des Christentums, einer Zeit epochaler und traumatisierender Umwälzungen,
entstanden ist und sich über Generationen hinweg im „kulturellen Gedächtnis“
fortpflanzt. Ins Unbewusste hinab gesunken, bleibt der christliche
Antisemitismus ein starker und weiterhin wirksamer Antrieb des Hasses und der
Verfolgung. Den kirchlichen Antijudaismus hat der Historiker Ley (2002, S. 29)
ganz entsprechend „die historisch schlimmste und dauerhafteste Kulturpathologie“
genannt. Ich werde versuchen, Ihnen dies anhand bestimmter Beispiele aufzuzeigen
und dabei die Verbindung zur Schuldabwehr immer wieder herstellen.
Mit der so grob skizzierten These
von der fundierenden Bedeutung des christlichen Antijudaismus widerspreche ich
Vorstellungen, dass man den Antisemitismus fein säuberlich unterscheiden und
trennen könne in einen (christlichen bzw. religiösen) Antijudaismus und einen
pseudowissenschaftlichen und rassistischen Antisemitismus. Der konstruierte
Bruch überdeckt die fatale Kontinuität antisemitischer Verfassungen und die
grundlegende Bedeutung des Christentums für seine Herausbildung. Horkheimer und
Adorno merken dazu an: „Schwerlich aber ist die religiöse Feindschaft, die für
zweitausend Jahre zur Judenverfolgung antrieb, ganz erloschen. Eher bezeugt der
Eifer, mit dem der Antisemitismus seine religiöse Tradition verleugnet,
daß sie ihm
insgeheim nicht weniger tief innewohnt als dem Glaubenseifer früher einmal die
profane Idiosynkrasie. Religion ward als Kulturgut eingegliedert, nicht
aufgehoben“.
Ich widerspreche damit aber auch
Theorien, die davon ausgehen, dass die Shoa, also die „industrielle
Massentötung“ der europäischen Juden eigentlich mit dem traditionellen
Antisemitismus nichts zu tun habe. Von den Progromen des Mittelalters sei der
Holocaust gewissermaßen durch eine ganze Epoche getrennt. Er sei, so etwa der
Soziologe Zygmunt Baumann, ganz Produkt einer spezifischen Moderne, die auf die
Auslöschung von Ambivalenz abziele. Ich glaube hingegen, dass der
Nationalsozialismus auch als eine Politische Religion in der Konsequenz einer
bestimmten Form des Christentums, nämlich des johanneisch-apokalyptischen
Christentums verstanden werden kann. Exemplarisch lässt sich die Verbindung am
Topos des „Dritten Reiches“ aufzeigen, der Vorstellung nämlich einer
historisierten Trinität, die ihre Erfüllung in der Herstellung eines Reiches des
„Heiligen Geistes“ findet, das endgültig das jüdische „Reich des Vaters“
überwindet, was das zweite Reich, das christliche des Sohnes nicht vermocht
habe. Unter dieser Perspektive tragen auch Begriffe wie „Endlösung“ die Signatur
apokalyptischer Erlösungs- und Vernichtungsphantasien. Ich kann dies hier nur
andeuten, in meinem letzten Buch habe ich mich ausführlich mit diesem Thema
auseinandersetzt.
Beginnen wir unserer Analyse mit den Evangelien des
Neuen Testamentes. Die bekannte US-amerikanische Religionswissenschaftlerin
Elaine Pagels hat in ihrer höchst aufschlussreichen Arbeit über die „Geschichte
des Satans“ folgende These vertreten: „Man kann die Evangelien des Neuen
Testaments nicht zureichend verstehen, wenn man nicht erkennt, dass sie
(...) Kriegsliteratur sind“ (Pagels 1996, S. 31). Was ist damit gemeint? Das
Volk Israel führte im 1. und 2. nachchristlichen Jahrhundert drei größere Kriege
gegen das römische Imperium. Einer davon endete mit der Eroberung Jerusalems und
der (zweiten) Zerstörung des jüdischen Tempels und fand zwischen 66 und 70
statt. Alle vier Evangelien des Neuen Testamentes sind im historischen Umfeld
dieses Krieges geschrieben wurden, nämlich etwa zwischen 70 und 110 u. Z.; sie
sind ohne diese Ereignisse in ihrer überlieferten Form gar nicht denkbar. Der
jüdische Krieg hat entscheidende Niederschläge vor allem bei Markus, Matthäus
und Lukas gefunden und ist darüber hinaus ausschlaggebend geworden für die
Entstehung einer apologetisch akzentuierten Geschichtsdeutung. Spätestens seit
dem 2. Jahrhundert wird nämlich von christlicher Seite die Zerstörung Jerusalems
und die Zerstreuung der Juden als Strafe Gottes für die Kreuzigung Jesu
interpretiert. Diese Auffassung findet sich aber im Ansatz schon in den
Evangelien. So müssen wir etwa davon ausgehen, dass Markus, der seinen Text
zwischen 70 und 72 niedergeschrieben hat, die Ereignisse des Todes Christi kurz
nach 30 und den Jüdischen Krieg etwa 40 Jahre später übereinander geschoben hat
und die dem Jüdischen Krieg folgende Zerstörung des Tempels als Strafe für den
Tod Jesu verstanden hat. Dafür sprechen gleich mehrere Stellen. Am bekanntesten
ist Jesu Rede über das Ende des Tempels:
„Und als er aus
dem Tempel ging, sprach zu ihm einer seiner Jünger: Meister, siehe was für
Steine und was für Bauten! Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen
Bauten? Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde.
Und als er auf dem Ölberg saß gegenüber dem Tempel, fragten ihn Petrus und
Jakobus und Johannes und Andreas, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das
geschehen? Jesus fing an und sagte zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht jemand
verführe! Es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin’s, und
werden viele verführen. Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und
Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Es muß so geschehen. Aber das Ende ist
noch nicht da. Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein
Königreich gegen das andere. Es werden Erdbeben geschehen hier und dort, es
werden Hungersnöte sein. Das ist der Anfang der Wehen“ (Markus 13, 1-8).
Die damaligen Hörer und Leser werden wohl die von
Markus wiedergegebene Rede Jesu von „Kriegen und Kriegsgeschrei“ unmittelbar auf
die von ihnen erlebte Wirklichkeit des Jüdischen Krieges bezogen haben. Markus
bietet ihnen in dieser bedrängten Situation eine tröstliche Erklärung („fürchtet
euch nicht“) bzw. eine heilsgeschichtliche Rechtfertigung an: die Zerstörung ist
die Folge der Vergehen Israels, die für die kommende Erlösung notwendig ist („es
muß so geschehen“). Wir entdecken hier in Ansätzen ein apokalyptisches Schema,
das vielleicht für den christlichen Antisemitismus überhaupt konstitutiv ist; es
lautet: Erlösung durch Vernichtung. Es gibt neben diesem Hinweis jedoch
noch eine weitere Stelle, die sinnvoll nur im Hinblick auf die Ereignisse des
Jahrs 70 hin gelesen werden kann. Wir lesen bei Markus 15, 37-38: „Aber Jesu
schrie laut und verschied. Und der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke von
oben an bis unten aus.“ Das Zerreißen des Vorhangs wird vom Evangelisten
gewissermaßen als ein Vorspiel für die spätere Zerstörung des Tempels gedeutet.
Zuerst zerreißt der Vorhang, dann aber der ganze Tempel, der das Sinnbild des
gesamten Judentums ist. Diese Stelle legt eine noch weitergehende Interpretation
nahe: Mit dem Opfertod Christi, der den Juden angelastet wird, ist auch der
ganze jüdische Tempelkult, mithin die ganze jüdische Religion hinfällig geworden
und wird der Zerstörung anheim gegeben.
Die Anhänger Jesu, damals noch Teil der jüdischen
Bevölkerung, hatten es während des Jüdischen Krieges weitgehend abgelehnt, sich
an der Auseinandersetzung mit den Römern zu beteiligen. Der Grund für diese
Ablehnung lag weniger in strategischen Überlegungen als in religiösen
Überzeugungen. Man begriff die katastrophalen Ereignisse so relativ kurz nach
der Kreuzigung Jesu als Anzeichen des nah bevorstehenden Endes der Welt und der
Wiederkehr des Messias. Die Evangelisten betonen alle (und man kann feststellen,
dass sie dies mit unterschiedlichem Nachdruck und steigender Intensität tun),
dass die Anhänger Jesu keinen Streit mit den Römern haben, wohl aber mit den von
ihnen erwähnten jüdischen Führern: den Hohenpriestern, den Ältesten und den
Schriftgelehrten, die sich im „Sanhedrin“ („dem ganzen Hohen Rat“ – vgl. Markus
12, 53; Matthäus 26, 59; Lukas 22, 66) versammelten, von dem die „Gesetzeskunde
von ganz Israel“ ausging (vgl. Cohn 1997, S. 50-68). Es wurde also eine
innerjüdische Frontlinie aufgebaut, und „die Juden“ wurden dabei mehr und mehr
dämonisiert und mit dem Satan identifiziert (so gut wie nie geschieht dies in
den Evangelien mit den Römern). Die christlichen Evangelisten gehen dabei
weiter, als das ihre jüdischen Vorgänger je vorher getan haben.
Für die Feinde gab es vorchristlich unterschiedliche
Symbolisierungen: Meistens wurden sie mit einem erhabenen, wenn auch
heimtückischen Mitglied des göttlichen Hofes gleichgesetzt, das der Satan
genannt wurde. Dieser wurde nicht als eine Bestie oder ein Ungeheuer betrachtet,
sondern als ein übermenschliches, engelhaftes Wesen. Wichtig ist nun folgende
Feststellung von Elaine Pagels: „In der hebräischen Bibel wie auch in der
vorherrschenden Strömung des Judentums bis heute tritt der ‚Satan‘ niemals als
der auf, als den ihn das westliche Christentum kennt, als der Anführer eines
‚Reiches des Bösen‘, eines Heeres feindseliger Geister, die gleichermaßen gegen
Gott und die Menschheit Krieg führen“ (ebd., S. 72). In einschlägigen Schriften,
wie etwa den Numeri oder dem Buch Hiob, erscheint der Satan
als ein untertäniger Diener Gottes, als Bote oder Engel Gottes, ja sogar als
„Gottessohn“[1],
der nicht unbedingt übelwollend ist, vielleicht sogar ein Vertrauter, und der
geschickt wird, um menschliches Tun zu behindern oder zu vereiteln (diabolos
heißt: „einer, der jemandem etwas in den Weg wirft“).
Erst die apokalyptischen Bewegungen, die ab etwa 150
v.u.Z. erheblich zunehmen, machen aus dem Satan das, was er später auch in den
Evangelien wurde: der Gegenspieler, Rivale und Feind Gottes – ich meine hier vor
allem die Sekte der Essener, die sich selbst als „Söhne des Lichts“ verstanden
und sich gegen die jüdische Mehrheitsbevölkerung, sie nannten sie eine
„Gemeinschaft von Verrätern“, abgrenzten. Diese apokalyptischen Bewegungen
bilden gleichsam das Bindeglied zwischen den beiden biblischen Testamenten. Wie
die Literatur der apokalyptischen Sekten ist auch das Christentum zutiefst von
der Gegenüberstellung von Freund und Feind, Gott und Satan geprägt. „Die
Christen werden sie übernehmen und weitertreiben, bis diese Identität sie
schließlich für immer von den anderen jüdischen Gruppierungen getrennt haben
wird“ (Pagels 1997, S. 88). Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied
zwischen den Essenern und den späteren Christen: Während sich die Essener als
eine exklusive Sekte verstanden, hat das zum Universalismus neigende Christentum
im Laufe seiner Geschichte zunehmend mehr die nicht-jüdische Außenwelt mit
einbezogen. Die wachsende und immer polemischer werdende Distanzierung vom
Judentum, dessen Teil man nicht mehr sein mochte, führte hier nicht zu einer
Abschottung sowie letztlich zu einem Ab- und Aussterben, sondern im Gegenteil zu
einer rasanten Ausdehnung hin zur größten Weltreligion.
Ich habe angedeutet, dass in den Evangelien mit
zunehmender Tendenz die Römer entschuldigt und „die Juden“ für die Kreuzigung
Jesu verantwortlich gemacht werden. So schildert Markus „die Juden“ in den
beiden Prozessszenen vor dem Hohen Rat (14, 53-65) und vor Pilatus (15, 1-15)
als neidische und mordlüsterne Widersacher Jesu, die fast allein verantwortlich
gemacht werden für den Tod Christi, und den Vertreter Roms, Pontius Pilatus, als
einen geradezu gütigen und gerechten Menschen, der sich aus einer gewissen
moralischen Schwäche heraus der Menge nicht widersetzen kann. „Pilatus aber
sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr:
Kreuzige ihn! Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas
los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde“
(Markus 15, 14-15). Dies steht im krassen Gegensatz zum historischen Pontius
Pilatus, der als ein brutaler Statthalter bekannt war und in den Texten
außerhalb der christlichen Tradition (etwa bei Philo von Alexandrien oder
Flavius Josephus) mit bitterer Feinseligkeit beschrieben wird. Auch die
Darstellung des Prozesses vor dem Hohen Rat (Sanhedrin), der, wäre er so
vorgegangen, wie ihn Markus beschreibt, den jüdischen Gesetzlichkeiten krass
widersprochen hätte, ist historisch höchst unwahrscheinlich.
An dieser Stelle sei ein kurzer
Einschub erlaubt. Ich möchte auf die gründliche Untersuchung der Umstände des
Prozesses und Todes von Jesus hinweisen, die der israelische Jurist und Judaist
Chaim Cohn (1997) durchgeführt hat, nachdem etliche, zumeist protestantische
Theologen nach der Gründung des Staates Israel von dessen obersten Gericht, dem
angeblich „unmittelbaren Nachfolger“ des Sanhedrin, eine Wiederaufnahme des
Verfahrens und eine Revision des „Justizmordes“ eingefordert hatten. Cohn macht
uns zuerst auf den aufklärungsbedürftigen Umstand aufmerksam, dass bei der
Beurteilung des Prozesses, der wie kein anderer so tiefgreifende Folgen in der
Geschichte hatte und noch immer hat, die These von der Kollektivschuld des
gesamten jüdischen Volkes nach dem 2. Weltkrieg zwar halbherzig zurückgenommen
wurde, bis in die jüngste Zeit aber wie selbstverständlich die Juden, welche die
Evangelisten eines aktiven Anteils bezichtigen, oft noch immer als die
Schuldigen angesehen werden. Es wird dabei nicht nur übersehen, dass die
Evangelien Glaubensbotschaften vermitteln wollten und nicht Geschichtsschreibung
betrieben, sondern es werden auch die zahlreichen Widersprüche und
Ungereimtheiten in den einzelnen neutestamentlichen Schriften übergangen. So
berichten Markus (14, 55-64) und Matthäus (26, 59-66) von einem nächtlichen
Gerichtsverfahren vor dem Sanhedrin, Lukas (22, 66-71) hingegen spricht von
einem Prozess am frühen Morgen, und bei Johannes hat ein Verfahren vor dem
Sanhedrin überhaupt nicht stattgefunden. Auch Cohn macht wahrscheinlich, dass
die Darstellungen der Evangelisten einem apologetischen Ziel folgten: Mit
Absicht sollte der römische Statthalter von jeder Verantwortung für das
Geschehen entlastet, und es sollte demonstriert werden, dass der Glaube an Jesus
Christus völlig vereinbar sei mit der Loyalität gegenüber Rom. Cohn zeigt in
einer Art Kreuzverhör weiter, dass diese apologetische Absicht zu einer krassen
Verzeichnung des Ablaufes geführt hat. Keine der vielfältigen jüdischen
Strömungen, die das Neue Testament polemisch zu „die Juden“ vereindeutigt,
hatte einen überzeugend nachzuweisenden Grund, in der berichteten Form den Tod
Jesu zu verlangen. Die Initiative und das Motiv dafür lagen eindeutig auf
römischer Seite, ganz abgesehen davon, dass die Kreuzigung selbst eine römische
und keine jüdische Todesstrafe war. Cohn führt zudem aus, dass die in einigen
Evangelien dargestellte Form des Verfahrens nicht den damals gültigen
Rechtsgepflogenheiten entsprach und die historische Triftigkeit der Erzählungen
mehr als in Frage steht.
Anders noch als im Markusevangelium sind es im
Matthäusevangelium, das aus der Frontstellung zu den Pharisäern entstanden ist,
diese allein, die als die Gegenspieler Jesu aufgebaut werden. Und Matthäus
arbeitet dabei mit der manichäisch anmutenden Spaltung in gut und böse, die zu
Ausschluss und Vernichtung führt: „Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen
sät. Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das
Unkraut sind die Kinder des Bösen. Der Feind, der sät, ist der Teufel. Die Ernte
ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel“ (Matthäus 13, 37-39). Die
Pharisäer werden mit dem Bösen, dem Satan in Verbindung gebracht und kollektiv
nicht nur für die Passion Jesu, sondern für die Verfehlungen der gesamten
Geschichte Israels schuldig gesprochen (präziser psychoanalytisch können wir
sagen, dass sie mit dem Analen, der ganzen ausgestoßenen Sphäre des Unreinen und
Schmutzig-Verworfenen identifiziert werden). Im 23. Kapitel, in dem insgesamt
sieben Schmähungen losgelassen werden, wird dies klar ausgesprochen. Jesus
beschimpft die Juden mehrfach als selbstgerechte Heuchler und Lügner, und
Matthäus endet mit einer Prophezeiung, die später unheilvoll wieder auftauchen
wird: „Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte;
und von ihnen werdet ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet ihr
geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen von einer Stadt zur andern,
damit über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden,
von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Secharja, des Sohnes
Berechjas, den ihr getötet habt zwischen Tempel und Altar. Wahrlich ich sage
euch: Das alles wird über dieses Geschlecht kommen“ (Matthäus 23, 34-36;
Hervorhebung W.H.).
Diese Stelle verweist auf die
unmittelbare Passionsgeschichte, wie sie im 27. Kapitel (15-27) geschildert
wird: Zum Passahfest gestattet Pontius Pilatus dem jüdischen Volk, sich für die
Freilassung und Begnadigung eines Gefangenen zu entscheiden. Es hat die Wahl
zwischen Jesus und Barabbas, von dem Markus (15, 7) schreibt, er sei ein
Aufrührer und Mörder gewesen. Die Pharisäer überreden das jüdische Volk, dass es
sich für Barabbas und gegen Jesus entscheiden soll. Die Juden fordern Pilatus
daraufhin mehrfach auf, Jesus kreuzigen zu lassen. Pilatus, der an Jesus keine
Schuld finden kann, wäscht sich die Hände und spricht: „Ich bin unschuldig an
seinem Blut; seht ihr zu!“ (Matthäus 27, 24). Daraufhin – und diese Zuspitzung
steht synoptisch isoliert, sie findet sich nur bei Matthäus – soll das ganze
Volk ausgerufen haben: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Matthäus
27, 25). Das jüdische Volk hat also willentlich und im vollen Bewusstsein der
Tat die Hinrichtung Jesu verlangt und dafür kollektiv die Verantwortung
übernommen, während die Römer nur widerstrebend und schuldbewusst als ihre
Handlanger und Vollstrecker agieren. Schon bald nach der Abfassung des
Evangeliums, ungefähr ab dem 2./3. Jahrhundert, beginnt die systematische
anitjudaistische Exegese dieser Stelle, die bis in die moderne Theologie
hineinreicht (vgl. Schreckenberg 1982, S. 129ff.) und auf folgende Aussage
hinausläuft: Nicht als einzelne sondern als ganzes Volk Israel haben die Juden
den Messias verworfen und ihn ermordet. Deshalb lastet eine kollektive
Blutschuld auf ihnen, die jederzeit eingefordert werden kann[2].
„Die Juden“, die, solange sie Juden sind, verdammt und unerlösbar sind, werden
zu den erbittertsten Feinden Christi erklärt, und man kann Gott nur dienen,
indem man sie bestraft und vernichtet[3].
Mit dem in der alten Kirche bzw.
der patristischen Theologie sich verbreitenden Tendenz zur Hypostasierung des
Menschen und Messiasprätendenten Jesu zum Gott bzw. Gottessohn Christi, was vor
allem im Zusammenhang mit der Entwicklung des Trinitätsdogmas steht, steigert
sich die Anklage zu dem Vorwurf, die Juden seien „Gottesmörder“. Die
Argumentation lautet nun wie folgt: Die Juden erfahren das so schlimme Schicksal
der Verfolgung und Zerstreuung und sind auf ewig verdammt, weil sie nicht nur
einen Menschen, sondern mit ihm und in ihm auch Gott selbst getötet haben. Mit
diesem verbreiteten Vorwurf wurde dem im Mittelalter grassierenden äußerst
gewalttätigen Antisemitismus theologisch der Weg bereitet, der bis heute
nachwirkt. Es wurde nun möglich, rein aufgrund einer theologischen Definition,
die sowohl mit religiöser als auch, nach der Konstantinischen Schenkung, mit
staatlicher Autorität ausgestattet wurde, eine ganze Gruppe von Menschen
pauschal zu verurteilen. Wir finden hier zum ersten Mal das, was man treffend
einen „Antisemitismus ohne Juden“ genannt hat: Ohne jede konkrete Erfahrung und
Anschauung kann jeder einzelne Jude mit jenem theologischen Phantasma der
„Gottesmörder“ identifiziert bzw. aufgeladen sowie ohne Skrupel und Schuld
angeklagt und verfolgt werden.
Wir entdecken schon im frühen
Christentum also jenen antisemitischen Kern, die Verleugnung und Projektion der
Schuld. Es ist, als würde vom Kreuzestod Christi immer nur der erste Teil
erfasst, das „um unserer Sünden willen gestorben“, nicht aber der zweite Teil,
das „durch unsere Sünden gestorben“ (H. Beland). Dies meint aber, da im
Unbewussten Tod immer Mord bedeutet, „von uns getötet“; dieser Teil wird
weggelassen und, da er unerträglich erscheint, chronisch-endemisch auf die Juden
projiziert. Um es erneut mit Horkheimer und Adorno zu sagen: „Den Juden, mit
dieser ihrer Schuld beladen, als Herrscher verhöhnt, schlagen sie ans Kreuz,
endlos das Opfer wiederholend, an dessen Kraft sie nicht glauben können“. Die
Mitleidsbotschaft des Neuen Testamentes gilt für alle, nur nicht für die
Juden, die aus der christlichen Heilswirklichkeit herausfallen. Sie sind per
se und unheilbar schuld, da sie es sind, die den Messiasprätendenten Jesus
(Evangelien) bzw. den Gottessohn Christus (Trinitätsdogma) ermordet haben. An
den Juden exekutiert das Christentum gnadenlos das eigene schlechte Gewissen
sowie den aus dem unbewussten Schuldgefühl geborenen tiefen Zweifel an der
eigenen Erlösung. In seinem Judenhass zeigt sich ein verleugneter Selbsthass an
einem anderen, fremden Objekt. Die Juden mussten für diesen unbewältigten und
desintegrierten Hass und Selbsthass der Christen millionenfach sterben. Freud
hielt sie, wohl nicht zu unrecht, für „schlecht getauft“ (Freud 1939a, S. 198).
Wir können es auch so formulieren: Erst die Überwindung des Antisemitismus kann
die Christen wirklich zu Christen machen.
Im folgenden möchte ich Ihnen nun
zu zeigen versuchen, dass und wie sich die so beschriebene und analysierte
antisemitische Struktur des (frühen) Christentums historisch fortgesetzt hat.
Ich werde, ausgehend von den zahlreichen im Mittelalter grassierenden
Blutbeschuldigungen gegen die Juden und der Transsubstantiationslehre,
untersuchen, welcher Logik des Opfers der christliche Antisemitismus in seiner
Geschichte folgt.
In einer weithin übersehenen Arbeit über den
Antisemitismus, die direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges und unter dem
Eindruck des Holocausts geschrieben wurde, hat Ernst Simmel (1946) aus
psychoanalytischer Perspektive auf die Bedeutung des Opfers in den Religionen
und im Kulturprozess hingewiesen. Er zeigt dies am Beispiel zweier
zusammenhängender Beschuldigungen auf: 1. der Beschuldigungen, die Juden hätten
Jesus getötet und 2. der so genannten Blutrituale, wozu sowohl der Vorwurf des
Durchstechens der Hostien in der Kirche gehört, als auch der Verdacht, dass die
Juden Christenkinder an Ostern stehlen und sie töten würden, um ihr Blut zu
verzehren. Simmel vermutet, dass sich hinter diesen Anklagen abgewehrte und
projizierte eigene Wünsche verbergen. Gerade die Phantasie, dass die Hostie
blute, wenn sie von den Juden angestochen werde, mache deutlich, wie wenig die
antisemitischen Christen die Hostie als ein allegorisches Symbol verstünden, sie
erscheint ihnen vielmehr als der reale Leib Christi. Dies wird, so sei
ergänzt, in der christlichen Theologie die Realpräsenz Christi
genannt: Hostie und Wein werden durch die Konsekration tatsächlich in Fleisch
und Blut Christi verwandelt – so zumindest lautet die Lehre von der
Transsubstantiation, die sich seit dem 13. Jahrhundert nach dem IV.
Laterankonzil von 1215 durchgesetzt hat. Es ist keinesfalls zufällig, dass sich
die Ritualmordbeschuldigungen und der Vorwurf der Hostienschändung wesentlich
nach dieser dogmatischen Festlegung entwickelt haben. Wenn die Juden angeklagt
wurden, Hostien geschändet und Kinder geschlachtet zu haben, wurden sie nämlich
deshalb mittelbar des Mordes an Jesus Christus beschuldigt. Nach Simmel handelt
es sich dabei um eine klassische Projektion: Der Antisemit beschuldigt den Juden
des Verbrechens, das er selbst unbewusst begeht, indem er die Hostie während der
Feier der Eucharistie verzehrt. „Dieser Akt der Einverleibung bietet ihm die
Möglichkeit zur Abfuhr seiner haßerfüllten Verschlingungstendenz und setzt ihn
instand, sich liebevoll mit Christus zu identifizieren“ (ebd., S. 79). Die
eigenen mörderischen Impulse und die daraus resultierenden Schuldgefühle werden
hingegen vollständig auf die Juden abgespalten und dort unerbittlich zur
Verfolgung frei gegeben.
An dieser Stelle sei ein kurzer Einschub über die
christliche Blut-„Symbolik“ erlaubt. Christina von Braun (2000) hat
hervorgehoben, dass sich in der Transsubstantiationslehre das äußerst
zwiespältige Verhältnis der Christen zum Blut ausdrückt. Das Blut hat vor allem
die Funktion, die Realpräsenz und Inkarnation des Herrn in der magischen
Verwandlung der Eucharistie stets aufs Neue zu beweisen. An der Wirklichkeit des
Blutes hängt gewissermaßen der ganze Glaube an die Menschwerdung Gottes und an
die Erlösung des Menschen. Mit dem Verzehr von Blut und Fleisch kann der Christ
imaginieren, mit Gott eins zu werden und an seiner Unsterblichkeit teilzuhaben.
Über das Selbst- und Blutopfer Christi, nicht über die Bluts- und
Familienverwandschaft einer Gruppe (wie im Judentum), werden der einzelne und
die ganze Gemeinschaft in einer imaginären Weise mit Gott verbunden. Die
Einverleibung von „realem“ Fleisch und Blut bei der Eucharistiefeier löst aber
zugleich ein großes Grauen über die eigenen oral-kanibalistischen Impulse aus,
das abgespalten und in den Ritualmordlegenden als Beschuldigung gegen die Juden
projektiv gewendet wurde.
Die Juden wurden im Mittelalter
(zumal im Spanien der Inquisition) zum „fremden Blut“ deklariert, das vom
christlichen Körper ferngehalten werden sollte. Dazu einige Erläuterungen: Mit
dem Beginn der Neuzeit, nämlich etwa zur Zeit der Eroberung Amerikas durch
Columbus, wurde die erste „Rassengesetzgebung“ eingesetzt. Der Hintergrund ist
folgender: Als es Ende des 14. Jahrhunderts in Spanien zu einer nationalen und
christlichen Konsolidierung kam, kam es auch vermehrt zu Progromen gegen die
jüdische Bevölkerung, die mit den Mauren ins Land gekommen war. Etwa 100 Jahre
später, nämlich 1492 (dasselbe Jahr, in dem Columbus Amerika entdeckte)
verbannte schließlich der spanische Thron alle Juden aus dem Lande. Viele,
mindestens die Hälfte der jüdischen Gemeindemitglieder retteten ihr Leben durch
einen Übertritt zum christlichen Glauben. Sie wurden in der Folge „Marranos“
(Schweine) genannt. In der spanischen Mehrheitsgesellschaft, die bislang die
Juden als Außenseiter behandeln und mit restriktiven Gesetzen überziehen konnte,
entwickelte sich nun aber eine große Angst vor dem converso als einem
Insider. In dieser Situation wurden jene Gesetze geschaffen, die als
estatutos de limpieza de sangre (Statuten über die Reinheit des Blutes)
bezeichnet wurden und mit denen die Konvertiten aus den öffentlichen Ämtern
gedrängt wurden. „Denn nicht mehr“, wie von Braun (2000, S. 156) kommentiert,
„die Taufe und die Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft, sondern die Herkunft,
das Blut entscheiden darüber, wer ein ‚echter’ Christ sei und somit in einem
christlichen Staat eine gehobene Stellung einnehmen durfte“. Es musste nunmehr
über viele Generationen hinweg eine „unbefleckte“ christliche Abstammung
nachgewiesen werden. Sowohl im christlichen Spanien der frühen Neuzeit als auch
später, im rassistischen, speziell im nationalsozialistischen Antisemitismus,
geht es mithin um die Herstellung eines reinen und homogenen
„Gemeinschaftskörpers“, der sich über den Ausschluss und die Vernichtung des
jüdischen „Fremdkörpers“ konstituiert.
Das Gebot nach rassisch
begründeter Reinheit führt im 19. Jahrhundert dazu, dass der Topos des
Geschwisterinzestes in der antisemitischen Literatur eine zentrale Rolle
einnimmt: jede Form der Vermischung mit „fremdem
Blut“ ist eigentlich bedrohlich und muss vermieden werden. Es kommt hinzu,
worauf Volkan (1999) aus psychoanalytischer Perspektive hingewiesen hat, dass
alle Gemeinschaften, die sich über das Blut definieren, das kein wirkliches
Symbol darstellt, zu äußerster Gewalt und Destruktivität neigen. „Wenn wir (…)
unsere Identität und insbesondere die Identität des Feindes jedoch mit Blut
assoziieren, das nicht wirklich symbolisiert werden kann, können wir unseren
direkten Angriff nicht auf die Substitute für die ‚Anderen’ übertragen, so dass
wir den Drang verspüren, sie zu vernichten“ (ebd., S. 134). Was ist damit
gemeint, dass Blut nicht symbolisiert werden kann? Man muss bei der Annahme,
dass der Wein tatsächlich das Blut Christi sei, eher von einer Allegorie,
Protosymbolik bzw., noch genauer, von einer „symbolischen Gleichsetzung“
ausgehen. Die britische Psychoanalytikerin Hanna Segal hat mit diesem Ausdruck
eine Grundstruktur psychotischen Denkens und einen Teil einer tiefen Störung der
Beziehung zwischen dem Ich und dem Objekt umschrieben. Sie meint damit einen
unbewussten und gewalttätigen Projektionsvorgang, bei dem etwas gehasstes
Eigenes in eine andere Person oder ein Objekt hineingezwungen wird und mit
diesem sodann identisch gesetzt wird. Die frühen Protosymbole werden vom
Ich des kleinen Kindes also nicht als Substitute, sondern als das ursprüngliche
Objekt selbst empfunden – der Nuckel ist die Brustwarze. Erst mit
der schmerzhaften Trennung von Selbst und Objekt kann sich das Denken reifer und
realistischer entwickeln. Diese Reifung ist gebunden an die Fähigkeit, Verlust
und Trennungsschmerz zu ertragen und den Anderen als Anderen, also als ein
selbständiges Objekt in seinem eigenen Recht anzuerkennen. Die entwickelte
Symbolisierungsfunktion ist mithin an das Erreichen der „depressiven Position“
gebunden, so wie ich sie am Anfang definiert habe. Die symbolische Gleichsetzung
bzw. sakramentale Identifizierung (H. Beland) von Blut und Wein und seine
Auswirkungen auf die Blutbeschuldigungen zeigen hingegen, wie sehr dieser
Entwicklungsschritt misslingt und sein Misslingen Gewalt freisetzt, die an den
Juden ausgelassen wird.
Doch zurück zu Simmel, der danach fragt, welche
„psychologische Wahrheit“ sich hinter den Anschuldigungen verbirgt. Um dies
beantworten zu können, ist eine Hinwendung zu dem Vorwurf hilfreich, Juden
würden zu Ostern kleine Christenkinder rauben und schlachten, da es die jüdische
Religion gebiete, dass beim rituellen Mahl am Passahfest Christenblut genossen
werden müsse. Zuerst zeigt sich hier erneut die Wirksamkeit der
Projektionsvorgänge: Die Ähnlichkeit dieses angeblichen Verbrechens mit dem
Ritual der heiligen Kommunion ist äußerst verblüffend, zumal wenn man bedenkt,
dass die Juden das Passahfest zur selben Zeit feiern wie die Christen Ostern die
Auferstehung Christi. Die untergründige Verbindung wird aber erst vollends
verständlich, wenn man berücksichtigt, was am Passahfest gefeiert wird. Gedacht
wird der besonderen Art der Errettung aus der ägyptischen Gefangenschaft. Gott
sandte einen Todesengel aus, damit dieser die neugeborenen ägyptischen Kinder
töten sollte. Um zu vermeiden, dass auch jüdische Kinder getötet wurden, befahl
der Herr den Juden, Lämmer zu schlachten und mit ihrem Blut Zeichen an die
Türpfosten zu malen. Die Errettung der eigenen Kinder und damit der künftigen
Generationen wurde durch ein Opfer, die Schlachtung unschuldiger Lämmer
erreicht. Wenn die Juden beim Passahmahl ein Stück Lammbraten verzehren, so kann
dies als rituelle Wiederholung der Massenschlachtung der Lämmer verstanden
werden. „Die Juden verzehren also während des rituellen Passahmahls ‚Kinder‘,
doch sind es Kinder von Tieren, die sie verspeisen“ (Simmel 1946, S. 81;
Hervorhebung im Original).
Noch etwas anderes ist wichtig an diesem Vorgang:
Als die Juden ihr erstes Passahfest noch in Ägypten feierten, begingen sie damit
ein Verbrechen gegen die ägyptische Religion. Das Lamm ist nämlich das Junge des
Widders, der den Altägyptern als heiliges bzw. als Totemtier galt. Der Vorgang
der Schlachtung der Lämmer, darauf sei kurz ergänzend hingewiesen, findet eine
Entsprechung in der Akeda, der Geschichte von der Bindung Isaaks (1
Moses, 22 1-19): Der Herr versucht Abraham, indem er ihn auffordert, seinen
einzigen Sohn in einem Brandopfer zu töten. Erst kurz vor der Tötung
greift Gott ins Geschehen ein und fordert Abraham auf, um seinetwillen Isaak zu
verschonen. An seines Sohnes statt opfert Abraham daraufhin einen Widder.
Wir finden hier dieselbe Struktur: Auf die Tötung des Sohnes, also auf das
Menschenopfer muss verzichtet werden[4],
die mörderischen Impulse dürfen nicht ausagiert werden und finden einen
Verschiebungsersatz im Tier. In einem längeren Prozess wurde das Menschenopfer
untersagt, und später auch die Opferung der Tiere. Die zerstörerischen und
sadistischen Triebimpulse müssen nun endgültig in einer anderen Form, nämlich
intrapsychisch, durch die Aufrichtung eines reiferen Über-Ichs, sprich:
möglichst durch die Rücknahme der gewaltsamen Projektionen und Spaltungen
bewältigt werden.
Wir wissen, dass in der christlichen Ikonographie
Jesus Christus allegorisch durch das unschuldige Lamm Gottes dargestellt wird.
Wenn die Verbindung zwischen dem Lamm-Essen am Passahfest und Jesus Christus als
„Lamm Gottes“ zutrifft, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der
Antisemit in seinem Wahn die Kinder, die die Juden angeblich schlachten, mit
Jesus identifiziert. Auch die Funktion der Projektion der eigenen Aggression und
der Abwehr der eigenen Schuldgefühle wird nun verständlicher: Die
Ritualmordbeschuldigung klagt die Juden an, sich physisch Jesus Christus
einzuverleiben, um selbst kein Schuldgefühl wegen genau dieser sündhaften
Impulse empfinden zu müssen. Es versagt mithin die Aufgabe, dem mörderischen
oralen Sadismus, der den Vater und die anderen Kinder bzw. Geschwister nur als
zu beseitigende Rivalen wahrnimmt, einen symbolischen Ausdruck und eine
entsprechende Verarbeitungsmöglichkeit zu verschaffen. Durch die dogmatische
Position der Realpräsenz Christi zerspringt die symbolische Fassung, es kommt zu
einer psychotisch anmutenden „symbolischen Gleichsetzung“ (Segal) von Jesus und
Hostie, und die mörderischen Impulse können ohne Schuldgefühle und Hemmung an
denjenigen befriedigt werden, denen man die eigene Schuld unterstellt. Dem steht
die jüdische Religion gegenüber, die nach der vollen Durchsetzung des
Monotheismus in der Folge der Rückkehr aus dem babylonischen Exil gänzlich auf
das Menschenopfer verzichtet[5].
Das nach-exilische Judentum unternimmt den historisch einmaligen Versuch,
jegliche Form von Opfer abzuschaffen und zieht sich darüber einen rasenden
„antimonotheistischen Hass“ zu, an dem das Christentum entscheidenden Anteil
nimmt.
Zwar wird, so vertreten es christliche Theologen,
mit dem Opfertod Christi die endgültige Abschaffung aller Opfer intendiert, doch
stößt das Christentum in seiner Geschichte nicht wirklich zur Opferüberwindung
vor, Zeugnis dafür ist der chronische christliche Antisemitismus. Nietzsche hat
es so formuliert: „Schon Paulus meinte, ein Opfer sei nötig, damit die tiefe
Verstimmung Gottes über die Sünde aufgehoben werde: und seitdem haben die
Christen nicht aufgehört, ihr Mißbehagen über sich selber an einem Opfer
auszulassen“ (Nietzsche 1881, S. 1073; Hervorhebung im Original). Doch damit
nicht genug: Um das Opfer rechtfertigen zu können, wird das Opfer selbst zum
grausamen und alleinigen Opferer erklärt und eine beispiellose
Täter-Opfer-Inversion eingeleitet. Das Christentum verkündet immer wieder, die
Juden hätten Jesus geopfert, und macht sie damit selbst zu einem legitimen
Opfer, das für das Heil der Welt dargebracht werden muss.
Allen apokalyptischen Bewegungen ist das Opferdenken
zu eigen. Der endgültige Sieg des Guten muss und kann nur über die totale
Vernichtung des Bösen, ein radikales Opfer erreicht werden. Besonders der Blick
auf das nationalsozialistische Denken lässt die politischen und psychischen
Dimensionen und Funktionen des Opfers sichtbar werden. Es war vor allem
Goebbels, der, wie Bärsch (1995, S. 96-110) in seiner gründlichen Untersuchung
der frühen Tagebücher von 1924-1927 herausstellt, sich von der Idee des Opfers
sehr angezogen zeigte. In seinem Aufsatz Opfergang
von 1927 erklärt er den „lieben Kameraden vom Opferbund in Berlin“ mit aller
Deutlichkeit: „Opfert! Im Opfer liegt die Reinigung von Schuld! Geht den harten
Opfergang um der Zukunft willen. (...) Das Opfer ist da alles. Es macht uns zu
Helden der Tat, vor deren berauschendem Atem das Alte stürzt und das Neue sich
formt wie von selbst“ (zit. n. Bärsch 1995, S. 107). Der Charakter dieses Opfers
ist entscheidend: Es ist kein altruistisches Selbstopfer gemeint, es sind „die
anderen“, die Juden (Goebbels nennt sie die „Trabanten des Bösen“), die für
„Sieg“ und „Heil“ geopfert werden sollen. Der „Opfergang um der Zukunft willen“
verspricht die Befreiung von der „Verzweiflung an der Gegenwart“ und das „Wunder
des neuen Reiches“. Goebbels markiert auch die religiöse Tradition, in die er
seinen Opferkult gestellt sehen möchte: „Die Idee des Opfers gewann zum ersten
Mal in Christus sichtbare Gestalt“ (Goebbels, zit. n. Bärsch 2002, S. 133).
Jesus sei der erste gewesen, der klar erkannt habe, dass das universelle Heil
nur aus dem Opfer erwachsen könne. Die Juden mussten nun als jenes „Brandopfer“
hingeschlachtet werden, von dem wir hörten, dass es in der jüdischen Religion
unbedingt untersagt ist. Der Verzicht auf das Opfer und das Opferdenken ist an
die Annahme depressiver Schuld gebunden und bleibt ein dringendes Desiderat
eines besser gelingenden Kulturprozesses. Ein, wenn nicht der zentrale
Gradmesser für die Entwicklung unserer Kultur überhaupt ist die Überwindung des
Antisemitismus, die eines unser dringlichsten und leidenschaftlichsten Anliegen
sein muss und an unserer Fähigkeit hängt, Schuld empfinden und ertragen zu
können.
[1]
Im Buch Hiob (1, 6) lesen wir: „Es begab sich aber eines Tages, da
die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan unter
ihnen“. Der Satan ist somit ein himmlisches Wesen und gehört zum Gefolge
Gottes (vgl. auch Sacharja 3, 1-7).
[2]
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die nach dem Ende des
Nationalsozialismus einsetzende Rede von der Kollektivschuld der Deutschen,
die die Juden ihnen angeblich angelastet hätten, vor diesem Hintergrund als
eine Projektion verstanden werden kann und sich einem abgewehrten
Schuldgefühl verdankt. Es ist die christliche Religion gewesen, die das
Gerücht von der Kollektivschuld der Juden mit fatalen Folgen in die Welt
gesetzt hat. In der jüdischen Religion wird der Annahme einer Schuld über
Generationen hinweg klar und unmißverständlich widersprochen: „Zu derselben
Zeit wird man nicht mehr sagen: ‚Die Väter haben saure Trauben gegessen und
den Kindern sind die Zähne stumpf geworden‘, sondern ein jeder wird um
seiner Schuld willen sterben, und wer saure Trauben gegessen hat, dem sollen
seine Zähne stumpf werden“ (Jeremia 31, 29-30; vgl. auch Hesekiel 18, 2-4).
Schuld ist stets individuelle Schuld. Erinnert sei auch daran, dass im Buch
Genesis Gott Kain mit einem Zeichen vor Rache, Gewalt und Tötung
schützt.
[3]
Trotz all der unbestreitbaren historischen Distanz fällt es schwer, bei
folgender Stelle aus dem Matthäusevangelium nicht an den Holocaust und die
Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten zu denken: „So wird es auch am
Ende der Welt gehen: Die Engel werden ausgehen und die Bösen von den
Gerechten scheiden und werden sie in den Feuerofen werfen: da wird Heulen
und Zähneklappern sein“ (Matthäus 13, 49-50).
[4]
Judith Kestenberg (1989) hält das „child-saving“ für ein typisches Merkmal
der jüdischen Tradition und grenzt es vom „child-killing“ der
nationalsozialistischen Ideologie strikt ab.
[5]
Die hebräische Bibel kündet noch von der Verbreitung des Menschenopfers bei
den alten Israeliten. So tötet, um nur ein Beispiel zu nennen, in einem
„Brandopfer“ der Heerführer Jephta seine Tochter für Jahwe, um seinen Sieg
über die Ammoniter zu sichern (Richter 11, 30-40). Hier zeigt sich im
übrigen, dass der Gott Jahwe, der solche Menschenopfer fordert (siehe auch
Josua 7, 10-26 und 2 Könige 16, 3), eigentlich noch der Gott der
vormonotheistischen Hebräer und Israeliten ist (von Antisemiten wird er mit
dem Gott der Juden überhaupt gleichgesetzt und projektiv als Gott der Rache
diffamiert). Das monotheisitische Judentum nennt Gott bekanntlich gar nicht,
er ist undarstellbar. Ja, man kann sagen, dass der sich ab dem siebten
Jahrhundert v.u.Z. durchsetzende neue Glaube an einen unsichtbaren Gott mit
der Abschaffung des Menschenopfers einhergeht (vgl. Heinsohn 1988).
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